Verkehr: Probleme von Heute, Lösungen von Vorgestern
Vorletzte Woche wurde nun auch in der Gemeinde Dippach die geplante Umgehungsstrasse von den Herrn Molitor und Biwer, Straßenbauverwaltung, vorgestellt. Wie aus den Artikeln in der luxemburger Presse hervorgeht, ist der Gemeinderat Dippach nicht sehr begeistert von der geplanten Trasse. Sie sind sich im klaren, dass 16.000 Fahrzeuge, darunter viele Schwertransporte, den Einwohnern nicht mehr zuzumuten sind. Sie benötigen also dringend eine Verkehrsentlastung! Aber die Trasse führt südlich der Ortschaften entlang und zerstört somit wertvolle landwirtschaftlich genützte Grünflächen, was dem Gemeinderat überhaupt nicht passt. Auch wird bemängelt, dass die Situation nur teilweise verbessert würde, aber keinesfalls gelöst sein wird. Die N13 wäre somit noch immer nicht entlastet, auch wird befürchtet, dass der Verkehr aus Luxemburg-Stadt in Richtung Petingen, Differdingen gleich bleiben wird. Der Gemeinderat betont auch, dass die geplante Westtangente von der N6 aus Richtung Mamer kommend von enormer Wichtigkeit wäre.
Wenn ich all diese Bedenken unterm Strich analysiere, dann kann ich nur behaupten, dass hier ein Problem mit einer sehr schlechten Lösung behoben werden soll. Ich stelle mir die Frage, ob das Problem überhaupt so zu lösen ist?
Wenn ich weiß, dass die Gemeinde Sassenheim komplett gegen diese Umgehungstrasse ist, die eine Katastrophe für Mensch, Tier und Natur bedeutet ohne jedoch im geringsten das Verkehrsaufkommen zu bremsen, sondern nur noch zu verstärken. Man weiß ja, dass neue Strassen neuen Verkehr anziehen!
Wenn ich dann auch noch weiß, dass all die Straßenbauprojekte, die in unserem Land in Planung sind, schon vor 30 Jahren Striche auf der Landkarte waren, dann kommen mir Bedenken. Können wir die heutigen Probleme mit Lösungen, die über 30 Jahre alt sind beheben? Wenn route2020.lu im Jahre 2020 vollendet sein soll, dann sind diese Pläne über 50 Jahre alt! In den 60gern und 70gern gab es noch keine PCs, keine Handys. Damals wusste noch niemand, dass über 450.000 Bürger im Lande wohnen würden, dass es über 200.000 Arbeitsstellen geben würde. Ich könnte diese Liste noch verlängern. In über 30 Jahren gab es viele Fortschritte aber anscheinend keine in der Lösung von Staus, zumindest nicht in unserem Lande. Oder vielleicht doch? „Eine EU-Studie, die bei den Ministerien bislang im Giftschrank liegt, hat klar gezeigt, dass Staus am besten durch Stillegung von Strassen vermeidbar sind." (Prof. Heiner Monheim in Natur & Kosmos November 2003)
Dann komme ich zur Schlussfolgerung, dass wir dringend eine andere Lösung benötigen! Eine sehr naheliegende, eine Lösung, die man schon über Jahre hinweg hätte fördern sollen!
Die Lösung heißt ganz einfach öffentlicher Transport. Wenn unsere Regierung es fertig brächte all die Gelder, die jetzt in Straßenbauprojekte gesteckt werden, die sehr umstritten sind, in eine innovative Transportpolitik zu stecken, würde sich vieles ändern. Hätten wir einen öffentlichen Transport, der attraktiv wäre, (Komfort und Takt)wären sicher viele Bürger bereit das Auto in der Garage zu lassen. Es gäbe weniger Unfälle, Menschenleben würden verschont bleiben, Krankenkassen entlastet. Weniger CO2-Emissionen würden ausgestoßen, wir würden dem Kyoto-Ziel näher kommen. Weniger Luftverschmutzung, sowie Allergien, was die Krankenkassen wiederum entlasten würde. Weniger Krebskranke durch Dieselruß! Ich denke auch an die 20% aller Haushalte, die keinen Wagen haben (Statec 2001) und dadurch zur Zeit stark benachteiligt sind.
Zum Schluss noch ein Beispiel das zu denken gibt: „ An der Reichsbrücke in Wien gab es jahrelang ewig Stau. Dann stürzte sie ein. Alle befürchteten das totale Chaos, doch in Wahrheit floss der Verkehr nun viel besser. Viele waren auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen. Und das sollte ja eigentlich auch das Ziel sein. Anstatt also Rente oder Sozialhilfe zu kürzen, sollte man lieber mal beim Straßenbau sparen. Der bleibt bislang sakrosankt gegen Kürzungen." (Prof. Heiner Monheim in Natur & Kosmos November 2003)
Myriam Cecchetti
Sassenheim