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Viele kleine "Umgehungsstraßen"

Im Straßenbau tut sich hierzulande eigentlich immer etwas. Unermüdlich werden Pläne geschmiedet und Varianten ausgeheckt. Besonders Lokalpolitiker sind hier eifrig bei der Sache und verlangen für ihre Gemeinden nach schönen, breiten und - aus ihrer Sicht - stets Erlösung verheischenden "Umgehungsstraßen". Innerörtlicher Individualverkehr soll schleunigst verlagert werden. Schließlich will man ja die hochgelobte Lebensqualität innerhalb der Ortschaften durch ein Meer an neuen Straßen nachhaltig verbessern. Die dafür nötige Unterstützung findet man allzeit problemlos im Bautenministerium, und die ihm unterstellte Straßenbauverwaltung mit ihrem stets reich dotierten "Fonds des routes" kann sich vor derartigen Anfragen kaum noch retten. "Umgehungsstraßen" mit und ohne Tunnels liegen ganz klar im Trend der Zeit: alle Ortschaften sollen schnell, sauber, wenn möglich auch noch unsichtbar, geruch- und geräuschlos umfahren werden.

Ein aktuelles Beispiel? Niederkerschen will seine "Umgehungsstraße" schon seit langem. Nach klassischem Muster soll sie beidseitig angebunden werden: einerseits ab Bascharage-Biff an die bereits heute vielbefahrene A13 (Collectrice du Sud), andererseits an die ebenfalls von der Lokalpolitik in der Nachbargemeinde vehement geforderte "Umgehungsstraße" von Schouweiler/Dippach. Die jeweiligen Pläne wurden den betroffenen Gemeinderäten neulich von der Straßenbauverwaltung vorgestellt und medienwirksam an den Mann gebracht. Rein zufällig unternahm dazu gleichzeitig der Mamer Bürgermeister - erstaunlicherweise im Alleingang und nach feinster "Nimby"-Manier - den eher plumpen Versuch die für Mamer bereits über eine satte Konvention mit dem "Staat" ausgehandelte "Umgehungsstraße" keinesfalls in Mamer selbst an die Autobahn Arlon-Luxemburg anzuschließen. Nein, der besorgt wirkende Gemeindevater wünscht sich da wohl eher eine Anschließung seiner "Umgehungsstraße" über den bereits bestehenden Verteilerkreis Bridel/Strassen an diejenige von Schouweiler/Dippach, auf der Höhe des Findelshaff zwischen Dippach und Bartringen/Helfenterbrück. Nun weis man aber auch, dass die "Umgehungsstraße" von Mamer sich ebenfalls an die seit längerem äußerst kontrovers diskutierte "Westtangente" bei Kehlen anschließen soll, die ihrerseits weiter nördlich in die Autobahn "Nordstrooss" münden soll. Dass der Mamer Gemeindechef bei diesem taktischen Manöver so ganz nebenbei auch noch darauf pocht über die geforderte "Umgehungsstraße" keinen zusätzlichen LKW-Verkehr in "seine" Gemeinde zu bekommen, klingt da doch wohl eher belustigend.

Man stellt also schlussfolgernd fest: auch dieser Kreis wird sich erneut nach althergebrachtem Muster schließen - im Fall der neugeplanten, autobahnähnlichen Nord-Südverbindung zwischen der Collectrice du Sud bei Bascharage und der "Nordstrooss" bei Kehlen werden wiederum viele kleine "Umgehungsstraßen" systematisch mit dem bestehenden Autobahnnetz verknüpft um zu guter Letzt eine weitere problematische Sammelstraße zu bilden. Und gerade dieser wahrlich nicht unbedeutende Zusammenhang wird der breiten Öffentlichkeit natürlich verschwiegen.

Die Spirale scheint sich also nach wie vor unaufhörlich weiter zu drehen. Eine dringend benötigte, fundamentale Verkehrswende in Richtung prioritär und innovativ zu betreibender Ausbau des Öffentlichen Transports riskiert durch einen derartig massiven Zuwachs an Straßeninfrastrukturen unaufhaltsam in weite Ferne zu rücken.

Wie heißt es da so treffend in einem Fachbeitrag zum Thema "Umfahrungsstraßen": "Wie jedes Medikament führen auch sie zu unerwünschten Nebeneffekten. So kosten sie horrende Summen und weisen meist einen relativ geringen Effekt auf. Dabei fördern sie zusätzlich den Binnenverkehr. Reihen sich mehrere Umfahrungen aneinander, entsteht im Prinzip eine Schnellstraße."

Da kommt doch wahre Freude auf!

jemu

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