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Niederkerschen wird auch weiterhin nicht aufatmen können - mit oder ohne Umgehungsstraße!

 

Durch den seit Jahren unaufhaltsam stark anwachsenden Durchgangsverkehr hat sich die allgemeine Verkehrslage im Zentrum von Niederkerschen fortlaufend verschlechtert. Verständlich ist infolgedessen die wiederholt formulierte Forderung seitens Politik und Allgemeinheit, dieses extrem hohe und zugleich gefährliche Verkehrsaufkommen durch eine neu zu bauende Umgehungsstraße punktuell zu entschärfen, um somit einerseits die Hauptdurchgangsstrasse wieder verkehrsberuhigend gestalten und andererseits die Lebensqualität der dortigen Einwohner wieder merklich verbessern zu können.

Allerdings gilt es in Niederkerschen einige relevante Besonderheiten und Entwicklungen in Betracht zu ziehen, die sich schlussendlich allesamt negativ auf einen solchen Lösungsvorschlag auswirken dürften:

Verteilerkreis Bascharage-Biff / August 2002

- der anfangs großzügig konzipierte Verteilerkreis "Biff" in Niederkerschen entwickelt sich kontinuierlich zur problemgeladenen regionalen Verkehrsdrehscheibe mit nahezu magischer Anziehungskraft inmitten eines recht dicht gewachsenen Wohngebietes: durch die unmittelbare Anbindung an die vielbefahrene "Collectrice du Sud", die sich ausgerechnet genau an dieser Stelle von 4 auf nur noch 2 Spuren in Richtung Petingen verengt, gerät dieser für die Region bedeutende Verkehrsknotenpunkt immer mehr zum unvermeidbaren Nadelöhr und dies besonders während den durch die zahlreichen Berufspendler verursachten tagtäglichen Staus in Spitzenstunden;

- die eigens für die Cactus-Kunden angelegte Tunnelausfahrt sowie die in den Verteilerkreis mündenden Verkehrsströme aus Richtung Niederkerschen, Niederkorn und Petingen verschlimmern die brenzlige Lage um ein Mehrfaches;

- viel zu dicht am Verteilerkreis angesiedelt, tragen die immer zahlreicher werdenden Betriebe (Cactus, Aldi, Tankstellen, usw.) in der "avenue de Luxembourg" verstärkt dazu bei, das rege Verkehrsaufkommen auf der Biff noch drastischer zu steigern;

- die in der Gemeinde Niederkerschen ansässigen Tankstellen befinden sich alle ausnahmslos in der "avenue de Luxembourg";

- die über den Verteilerkreis "Biff" geplante Anbindung der "Collectrice du Sud" an das benachbarte belgische Autobahnnetz - die so genannte "liaison de Sélange" - wird die bereits heute desolate Verkehrslage dramatisch verschlechtern, da diese 6 Kilometer lange Verbindungsautobahn über Linger, Küntzig, Sélange (B) und Hondelange (B) massiv zusätzlichen Regional- und Transitverkehr anziehen wird, der zudem versuchen wird - ähnlich wie in Windhof - die ab Verteilerkreis "Biff" erreichbaren Tankstellen vermehrt anzufahren;

- die seit vielen Jahrzehnten in der Ortsmitte florierende Großbrauerei trägt natürlich keineswegs zur allgemeinen Verkehrsberuhigung bei und benötigt nach wie vor breite An- und Abfahrtswege mitten durch die Ortschaft;

- das hohe Lkw-Verkehrsaufkommen der am Ortsrand in Richtung Dippach sich ausdehnenden Industrie- und Gewerbezone erfordert selbstredend optimale Verkehrsanbindungen an das allgemeine Straßennetz;

- die um den Bahnhof Niederkerschen entstandenen Klein- und Mittelbetriebe möchten auch weiterhin verkehrstechnisch gesehen nicht isoliert werden und sind deshalb ebenfalls auf einen direkten Zugang zum Straßennetz angewiesen.

Bedingt durch ein jahrzehntelanges, oftmals leider allzu konzept- und orientierungsloses Planen, kämpft die extrem schnell expandierende Gemeinde Niederkerschen heutzutage nach dem Motto "Die Geister die ich rief" vermehrt mit nahezu unlösbaren Problemen, welche im Nachhinein durch eine zeitlich zu stark verzögerte und rein konventionelle Verkehrsplanung kaum noch zu bewältigen sind. Die selektive Forderung nach einer erlösenden Umgehungsstrasse kommt daher wohl auch eher einem schier hoffnungslosen Hilfeschrei gleich, als denn einem innovativ zukunftsorientierten, für sämtliche Einwohner der geplagten Gemeinde akzeptablen Gesamtlösungsvorschlag.

Spätestens seit 1999 steht aber auch fest, dass die Ortsdurchfahrt von Niederkerschen, die "avenue de Luxembourg", im Falle einer Umgehungsstrasse entgegen anderslautenden Meinungen nicht zurück gebaut werden soll, "weil zu viel autoorientierte Betriebe an der Ortsdurchfahrt angesiedelt sind (insbesondere Bascharage-Biff)". Dieses geht deutlich aus einem im Januar 2000, unter der Regie des Innenministeriums schriftlich verfassten Bericht hervor. Entstanden ist dieser Bericht im Anschluss an eine Regionalkonferenz, welche am 10. Dezember 1999 in Esch-Alzette stattfand und an der neben Innenminister Michel Wolter ebenfalls die Bürgermeister der zwölf, den PRO-SUD bildenden Südgemeinden teilnahmen - darunter auch der Bürgermeister der Gemeinde Niederkerschen - um sich eingehender mit der Erarbeitung eines Regionalplanes für den Süden zu befassen.

Der erwähnte Abschlussbericht hält hierzu zusätzlich noch fest (S. 25): "Bascharage-Dippach: Planung eines contournements (2 streifig) von Bascharage (in einer zweiten Phase dann Dippach) zwischen Bascharage und Sanem mit Anbindung an die Collectrice du Sud. Diese soll als Europastrasse klassiert werden, d.h. es wird der Langsamverkehr (Landwirtschaft, Fahrräder, Mofas) von der Benützung ausgeschlossen (Definition als Autostrasse)."

Da man aus den vorher erwähnten Gründen die Durchgangsstrasse in Niederkerschen nach der Inbetriebnahme der Umgehungsstrasse nicht zurückbauen kann, wird die neue Ortsumfahrung als intensiv verkehrserzeugender Ausläufer einer bereits unmittelbar an die "Collectrice du Sud" angeschlossenen Schnellstraße die innerörtliche Verkehrslage keineswegs nachhaltig entschärfen und beruhigen können. Demnach wird besonders auch der laut offiziellen EU-Prognosen in den kommenden Jahren deutlich zunehmende Lkw-Verkehr sich später sowohl über die neue Umgehungsstrasse, als auch nach wie vor mitten durch die Ortschaft hindurch quälen. Auch in Niederkerschen werden dann mit Sicherheit neue Straßen unerwünschten Mehrverkehr erzeugen - eine an sich völlig logische Entwicklung, denn mit neuen Straßen entsteht neben einer vordergründig eintretenden Verlagerung des Verkehrs zugleich auch ein wiederum besseres Infrastrukturangebot, was erneut die Nachfrage erhöht.

Genau hier befällt einen der doch eher beklemmende Gedanke, dass nach altbewährter Salamitaktik der Straßenplaner, die so genannte Umgehungsstrasse - ähnlich wie die "Liaison de Sélange", der "Bypass" in Monnerich, die "Collectrice-bis" zwischen Differdingen und Esch-Belval und die "Tangente Ouest" bei Kehlen - früher oder später durch eine beidseitige Anbindung an das gängige Autobahn- und Schnellstraßennetz die Funktionen einer weiteren trivialen Verbindungsautobahn übernehmen soll um somit übergreifender Bestandteil einer neuen Nord-Südverbindung zwischen der "Nordstadt" einerseits und dem PED sowie den Industriebrachen Esch-Belval andererseits zu werden. Entlastung brächte eine solche "Lösung" bestenfalls kurzfristig nur dem Autobahnring um die Hauptstadt, keineswegs vorteilhaft würde sie sich jedoch auf die äußerst prekäre Verkehrslage im Raume Niederkerschen und darüber hinaus auswirken.

Demnach erwarten die Einwohner aus Niederkerschen - und nicht nur sie! - bei solch bedenklich konventionellen und selten transparenten Verkehrsplanungen leider nach wie vor kaum rosige Zeiten! Die im "PRO-SUD" zusammengeschlossenen Gemeinden und die zuständigen Regierungsinstanzen sind demnach gefordert brauchbare Alternativlösungen gemeinsam zu erarbeiten, um damit erstmalig ein interregionales und zugleich grenzübergreifendes, ja sogar möglicherweise von EU-Geldern mitfinanziertes Mobilitätskonzept mit Vorzeigecharakter im dichtbesiedelten Dreiländereck zu schaffen und zügig voranzutreiben. Ein solch gemeinschaftliches und pragmatisches Vorgehen abseits jeglicher politisch gefärbter Rechthaberei und Arroganz würde sich denn auch durchaus nutzbringend in die lobenswerten Planungsvorhaben der Interreg IIc-Pilotstudie einfügen, die ihrerseits ideenreich danach strebt, die gesamte Gegend als regional zusammenhängenden Landschaftspark aufzuwerten und eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität der Menschen in der Südregion zu erwirken - dies allerdings ohne zusätzliche Straßen mit wiederum verheerendem Zerschneidungseffekt!

"Lokalinitiativ géint eng Autobunn duerch oder laanscht d'Gemeng Kéinzeg!", a.s.b.l.

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