Bürgerinitiativen sind lästig, kontraproduktiv und überflüssig!
Die seit kurzem heftig orchestrierte pauschale (Vor)Verurteilung sämtlicher Bürgerinitiativen hierzulande seitens einer am Regierungsgeschäft immerhin hochgradig beteiligten Parteipräsidentin lässt zweifellos aufhorchen und gibt Anlass zu manchen Überlegungen!
Ohne das geringste Fingerspitzengefühl zu beweisen, wird hier bereits in Vorwahlzeiten plump, polemisch und klischeehaft eine äußerst subjektiv argumentierte und dabei völlig unnötige Attacke auch gegen all die Gruppierungen geritten welche sich aufrichtig bemühen fachkundig, sachlich und unpolemisch mit verschiedenen absolut diskutablen Gesellschaftsthemen und -problemen intensiv auseinander zusetzen. Gerade durch die unermüdliche Arbeit verschiedener Bürgerinitiativen werden oft aus mancherlei Gründen als Tabu gehandelte Dossiers überhaupt in die Öffentlichkeit und in die damit verbundene und dringend notwenige Diskussion gezerrt. Meistens handelt es sich dabei auch um Problemthemen die von den politisch etablierten Parteien und deren Strukturen nach langem Hin und Her nun einmal nicht alleine und selbstherrlich auch nur im Ansatz gelöst werden (können).
"In Luxemburg gehe eine geballte Energie mit nutzlosen Beschäftigungen verloren, indem gegen alles eine Bürgerinitiative gegründet werde", meint die Ministerin aufgebracht! Und weiter: "Sie sollen bloß aufpassen, dass Ihnen nicht vorzeitig die Luft ausbleibt!" Diese untolerante und engstirnige Ansicht zeugt leider in erschreckendem Maße von einem arg gestörten Verhältnis zu Andersdenkenden. Einem ausführlichen Meinungsaustausch geht man dabei beflissen aus dem Wege, potentiellen Partnern wie den Gemeinden wird angeraten sich eher kooperativ zu verhalten um somit etwaigen Nachteilen aus dem Wege zu gehen, wiederholt angefragte Unterredungen werden überheblich abgelehnt mit der tiefblickenden Begründung " car je n'aurai rien à vous communiquer", öffentliche Rundtischgespräche werden gemieden, kontrovers geführte Diskussionsrunden überlässt man lieber hohen Regierungsbeamten, implizierte Verwaltungen erhalten Redeverbot - kurzum: man tut beleidigt, knallt die Tür und bunkert! Keine Spur von Transparenz! Kein Recht auf Meinungsäußerung? Unbequem und lästig sind sie schon diese aufmüpfigen und ewig nörgelnden aber auch wahlberechtigten Bürger! Ein schlechtes Gewissen sollen sie bekommen!
Eines wird jedoch bei alledem peinlichst verschwiegen: Bürgerinitiativen sind nicht nur GEGEN dies und jenes. Nein, sie setzen sich vor allem auch vehement FÜR Wesentliches ein:
Die in vielen Bürgerinitiativen und ähnlichen Gruppierungen tätigen Frauen und Männer sind nun mal KEINE egoistischen Traumtänzer, die nur selbstgefällig und aus purem Zeitvertreib Engagement beweisen! Dies kann dann auch ein Grund dafür sein, warum sogar gestandene Politiker(innen) angesichts der sich momentan anbahnenden regionalen Bürgerbewegung im Süden- und Südwesten des Landes so gereizt und nervös überreagieren. Warum eigentlich? Uneigennütziges Engagement wird doch wohl nicht exklusiv nur den etablierten politischen Parteien und deren gewählten Vertretern vorbehalten sein, oder?
Ein einheitliches Motto besagter Bürgerinitiativen könnte ja da wohl nur heißen: "Haut ZESUMME schaffen - u muer GEMEINSAM denken!".
jemu