"Fir Mobilitéit mat Zukunft!"
Seit Monaten bereits sorgen mehrere Straßenbauprojekte im Süden und Südwesten des Landes für helle Aufregung innerhalb der Bevölkerung. Beabsichtigt wird seitens der Regierung u.a. die Umwandlung der vielbefahrenen "Collectrice du Sud" in eine weitere internationale Transitautobahn quer durch den ganzen Süden des Landes, ausgehend von jeweils einer im ländlichen Raume 'Sélange/Clemency' neuzubauenden Verbindungsautobahn auf belgischer sowie auf luxemburgischer Seite. Pläne der 70ger Jahre werden hierzu mit (Schein-)Argumenten von heute (Industriefrischen) verteidigt um die Notwendigkeit von weiteren Autobahnen, Schnellstraßen und sogenannten "Umgehungsstraßen" zu rechtfertigen. Trotz IVL-Ankündigung und Interreg-IIc-Projekt tritt die Bautenministerin nach wie vor mit demonstrativer Entschlossenheit für eine rasche Verwirklichung autobahnfixierter Projekte ein und greift dabei taktisch völlig unklug die jetzt natürlich wie Pilze aus dem Boden schießenden Bürgerinitiativen heftig und herablassend an indem sie ihnen sogar unverständlicherweise Vertrauensbruch vorwirft. Tatkräftig unterstützt wird sie hierbei ironischerweise von dem für die Landesplanung zuständigen Innenminister sowie selbstredend neuerdings auch von ihrem Amtsvorgänger.
Allgemein scheint sich jedoch die an sich logische Behauptung nach und nach durchzusetzen, dass der fast hilflos - phasenweise ja sogar panikartig - geplante Bau von zusätzlichen Straßen mittel- bis langfristig gesehen keineswegs die durchaus prekäre Situation im unkontrollierbar explodierenden Individualverkehr verbessern vermag und dass einzig und allein ein massiv großräumig geplanter Ausbau des Öffentlichen Verkehrs insbesondere über ein wesentlich zu erweiterndes Schienennetz der einzig machbare Ausweg aus der sich schnell zuspitzenden Verkehrsmisere darstellen vermag.
Es kann ja auch nicht so sein, dass dringend notwendige Mobilitätslösungen nach wie vor (nach dem seit Jahrzehnten bestens bekannten, jedoch oftmals fehlgeschlagenen Muster) fast ausschließlich im Straßenbau gesucht werden. Der dichtbesiedelte Süden und Südwesten des Landes sowie die jeweiligen Grenzgebiete mit Belgien, Frankreich und Deutschland mit ihren immer zahlreicher werdenden Bewegungsströmen bieten sich ja förmlich an für eine weitaus klügere regionale und grenzüberschreitende Gesamtlösung mit europäischem Vorzeigecharakter im Bereich des Öffentlichen Transports. Das eigentliche Mobilitätsproblem stellt doch hierzulande tagtäglich der stetig anwachsende Berufsverkehr und nicht vorrangig der Transitverkehr dar. Besonders im Hinblick auf die noch zahlreich aufzuwertenden Industriefrischen im Süden des Landes gilt es also vorausschauend und vorrangig eine nachhaltige (!) Lösung hierzu zu finden. Und die findet man nun eben ausschließlich über den Weg eines wirklich substantiellen und innovativen Ausbaus des Öffentlichen Transports. Volle Fahrt voraus für Bahn, Tram und Bus - auch und besonders in der bereits jetzt meistbewohnten Gegend unseres Landes! Hier hilft auf die Dauer keine Flickarbeit und keine Salamitaktik!
Der Straßenbau in Luxemburg, eigentlich doch ein wahres Fass ohne Boden, vermag mit Sicherheit keine spürbare Lösung herbeizuführen: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten, ein Satz, der seit Jahren von einigen Verkehrsplanern und -forschern anerkannt und verbreitet wird. Doch von Politikern und Planern wird meist mit dem Gegenteil argumentiert: irgendwie würden neue, breitere Straßen den Verkehrsstrom reduzieren. Die Realität widerspricht dieser Hoffnung, und auf der ganzen Welt ist das Ergebnis das gleiche - die Straßen werden gebaut, und die Autos kommen!
Und noch was gilt es zu bedenken: bereits 1999 schnitt Luxemburg nach Belgien am schlechtesten ab in einer Studie der Europäischen Umweltagentur welche die Zerschneidung von Natur und Landschaft durch Verkehrsinfrastrukturen darstellte. Angesichts dieser ernüchternden Feststellung, die allerdings wohlweislich vom Bautenministerium verschwiegen wird, betrübt es einen doch wohl kaum, dass in Luxemburg "nur" 30 Kilometer Autobahn in 30 Jahren gebaut wurden. Hinzurechnen muss man übrigens kurzfristig noch 33,5 Kilometer Nordstraße und 19 Kilometer Saarautobahn also immerhin 82,5 Kilometer in nur 30 Jahren!
jemu